Antalya-Marathon „Runtalya“

Marathonvorbereitung mit Hinderniss(en)
3. März 2012
Antalya-Marathon „Runtalya“
5. März 2012
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Carsten Stegner

(c) Norbert Wilhelmi - www.wilhelmi-fotograf.de

  • Antalya-Marathon
  • 04.03.2012
  • 10 km, HM, Marathon + Volkslauf & „Highheelsrun“ (am Vortag)
  • Wendestrecke mit einem Hügel auf der Marathonstrecke (windanfällig)

(c) Norbert Wilhelmi – www.wilhelmi-fotograf.de

Der Öger Antalya-Marathon, auch „Runtalya“ genannt, ist der zweitgrößte Marathon der Türkei und findet seit 2006 immer Anfang März statt. Der Zeitpunkt hat gleich zwei Gründe, zum einen herrschen zu diesem Zeitpunkt noch angenehme Lauftemperaturen an der türkischen Riviera , zum anderen verfolgt der Reiseveranstalter Öger damit auch das Ziel, Gäste außerhalb der Saison in die Urlaubsregion zu locken. Damit hat er auch Erfolg, denn über 1.000 Teilnehmer aus Deutschland sind bei den drei Hauptrennen über 10 km, Halb- und Marathon am Start. Diese bekommen bei der Buchung des „Marathonpakets“ einen perfekten „Rund-um-sorglos-Service“. Ab der Abholung am Flughafen ist für sämtliche Transfers (zur Startnummernausgabe, Start, vom Ziel, zur Abschlussveranstaltung) gesorgt. Eine Reiseleitung ist nahezu jederzeit ansprechbar und wer möchte, darf an inkludierten, bzw. zum Sonderpreis angebotenen, Ausflügen teilnehmen.

In den ersten vier Jahren zog das Preisgeld afrikanische Läufer an, welche die Strecke in „gewohnten Zeiten“ absolvierten. Seit es kein Bargeld, sondern Reisegutscheine für die jeweils ersten drei Sieger(innen) zu gewinnen gibt, „haben auch Deutsche die Chance auf den Gesamtsieg“ beim Runtalya. Meist bleibt der Sieg jedoch in türkischer Hand.

Natürlich schwebte auch mir der Traum von einem Podestplatz bei einem internationalen Marathon (ca. 45 Nationen nehmen teil) im Hinterkopf, doch nach meiner mäßigen Marathonvorbereitung relativierte ich meine Ziele und nahm mir vor, endlich wieder einen Marathon zu absolvieren bei dem ich so locker wie möglich bleibe und nichts anderes als mein eigenes Rennen laufe. Wenn dann am Ende noch mehr dabei herausspringen sollte – umso besser. Meine letzten Trainingswochen gestaltete ich nach dem gleichen Motto, denn schließlich möchte ich in diesem Jahr mal wieder häufiger am Start stehen als in der letzten Saison.

Nach der Anreise am Donnerstag erwartete mich eher mitteleuropäisches Wetter. 8°C und teilweise bedeckter Himmel begrüßten die Ankömmlinge. Das Wetter sollte die nächsten Tage besser werden, was es auch tat. Doch mit zunehmender Temperatur, nahm auch der Wind zu. Die Vorhersage für Sonntag: max. 15°C, wolkenlos, Windböen bis 56 km/h! Schade, manchmal haben die Wetterfrösche aber auch in allen Details recht…

Nach der Startnummernabholung am Freitag und einem kleinen Stadtbummel durch die sehr sehenswerte, 1,2 Mio. Einwohner starke, Mittelmehrmetropole, legte ich am Samstag die Beine hoch. In meinem Blickfeld, die direkt hinter der Stadt beginnenden, zum Teil schneebedeckten, Berge. Irgendwie war es mir plötzlich viel mehr nach ausgiebigen Trailläufen, als nach 42,2 km Asphaltschrubben!
Die Konzentration galt jedoch dem Marathon und der ersten Frage: „Was ziehe ich an?“ Gerade noch rechtzeitig wurde ich von ASICS mit einem genialen Paket ausgestattet, also an der Auswahl lag es nicht. Am Sonntag Morgen war die Temperatur noch sehr frisch. Der, wie vorhergesagte, starke Wind lies es noch kälter wirken. Doch in der Sonne merkte man, welche Kraft diese hat und so entschied ich mich wie die meisten für Shorts und Trikot. Trotz des kontinuierlich kräftig blasenden Windes, war dies die beste Entscheidung.

Rennverlauf

Diesmal ließ ich mich am Start nicht nach hinten drängen. Obwohl, wegen des gemeinsamen Starts aller drei Hauptrennen ein reges Treiben unter dem Startbogen im Westen Antalyas herrschte. Für eine Orientierung, wer nun tatsächlich über die Marathondistanz startet, war leider keine Möglichkeit. Deshalb begann ich gleich nach dem Start, wie geplant, mein eigenes Rennen zu laufen. Den ersten Kilometer traf ich gleich auf die Sekunde in 3:40 min. Ab dem zweiten Kilometer stieß ich schließlich auf zwei Türken mit der gleichen Startnummer, also auch auf Marathonkurs. Bei der Unterhaltung kam jedoch heraus, dass sie zu schnell gestartet seien und eine deutlich langsamere Pace anstreben. Ab km 5 (18:15 Min.) tat ich mich mit einem anderen türkischen Athleten zusammen. Zu diesem Zeitpunkt kehrten die 10-km-Läufer auf der Strecke. Weit vor uns waren noch vereinzelte Läufer, ca. 150 Meter vor uns, eine fünfer-Gruppe. Km 10 (36:35 Min.), der erste Halbmarathonläufer kam mir gerade entgegen, dann ein zweiter und dritter und schließlich das Führungsfahrzeug. Vor uns wendete es und fuhr wieder an. Welch ein wahnsinniges Gefühl, das Führungsfahrzeug direkt vor einem zu sehen. Doch leider beschleunigte es und setzte sich vor die fünfer-Gruppe, von welchen nur zwei die Wendemarke des Halbmarathons umliefen. Also drei Athleten waren vor mir. Ein Blick auf die Uhr, Zeitmessung – 35 Sekunden haben sie Vorsprung. Ich löste mich (dummerweise) von meinem Mitstreiter und forcierte den Schnitt um mind. 3 sek. Eine Pace auf manchen Kilometer von 3:33 hätte mich eigentlich warnen müssen. Doch ich fühlte mich gut und trotz des wahrhaftig mörderischen Winds, konnte ich die Pace meist unter 3:40 halten. Nur auf langen Geraden, wenn der Wind pervers von der Seite wehte, überschritt ich das Tempo minimal. Der dritte Läufer der Gruppe verlor nun auf die Vorderen, der Abstand zu mir wurde aber kaum geringer. Dagegen entfernten sich die zwei Führenden. „Du läufst DEIN Rennen!“ sagte ich mir immer wieder, doch welcher Wettkämpfer kann sich in so einer Situation daran halten? Es folgte ein gewaltiges Gefälle, dessen Aufstieg auf dem Rückweg ich jetzt schon verabscheute.

Immerhin steigerte ich auf diesem Kilometer meine Pace mal auf 3:12 min/km. Auf dem Rückweg, soviel nehme ich vorweg, war sie 1:10 Min. langsamer.
Nach dem Verlassen der Stadt in östliche Richtung wurde es einsam. Es herrschte kein Wind mehr – sondern Sturm! Eine ewige Gerade am Lara-Beach und dann links weg, der letzte Kilometer vor der Wende im Kampf gegen die Naturgewalt. Kehrt (1:17:17 Std). Mein Vorsprung zu Platz 5, 6 und 7 war kleiner als mein Abstand auf 3. So war es nur eine Frage der Zeit bis ein Teilnehmer an mir „vorbeiwehte“. Eine Verfolgung war ausgeschlossen. Der Istanbuler Athlet vom Trabzonspor Atletizm wurde mit einer perfekt gelaufenen zweiten Hälfte schließlich Gesamtsieger – so einfach ist das. Ein weiterer Marathoni hängte sich an meine Fersen und blieb für ein paar wenige Kilometer hinter mir, als er vorbei ging, der Schnitt immernoch meist um 3:40 min/km, ermutigte er mich dran zu bleiben. Das war dann der letzte Kilometer unter meiner „möchtegern-Pace“. Immerhin konnte ich, nachdem ich mich diesen mörderischen Berg hochgekämpft habe, den „ehemals Dritten“ überholen. Jetzt wurde es jedoch richtig zäh. Aber immerhin habe ich schon den Wendepunkt des HM überlaufen. Noch gute 10 km – locker bleiben. Von nun an mussten einige HM-„Wanderer“ überholt werden. Bei einer engen Kurve wurden zwei von ihnen vom Streckenposten angewiesen mich innen vorbei zu lassen. Machten sie nicht, macht ja nichts, laufe ich außen herum. Kurz danach merkte ich dass dies scheinbar nicht mehr die Strecke ist, auf der ich vorher lief. Ich lief noch ein gutes Stück weiter, keine Bänder, keine Menschen – Shit! Verkehrt! Ich drehte um und lief wieder auf die Streckenposten zu. Diese fuchtelten mit den Armen, also drehte ich wieder um und kam nach ein paar wenig hundert Metern wieder auf die Strecke. Meine Garmin zeigte mir nun bei jedem vollen Kilometer 500 Meter mehr an. Zuvor waren es gut 200 Meter mehr. Na gut, zumindest habe ich nicht  abgekürzt, aber Regelkonform war es auch nicht… Was soll ich machen? Alles wieder zurück? Aufhören? Noch sechs Kilometer, jetzt laufe ich weiter.

An meiner Platzierung hat sich scheinbar nichts geändert also laufe ich etwas irritiert die 42,2 (42,5) km zu Ende. Auf den letzten Kilometern stehen zur Abwechslung auch ein paar Menschen am Straßenrand und feuern an, das tut gut. Auf den letzten 800 Meter, leicht abfallend (auch das tut gut) ins Ziel, ist richtig Stimmung. Die Ziellinie überquerte ich als Gesamt 5. in einer Zeit von 2:38:47 Std. das geht völlig in Ordnung und ich bin zufrieden. Ein Urlaub in der Türkei wird für mich also nicht von Öger gesponsert –  macht nichts, trotzdem komme ich wieder!

Homepage des Runtalya

Ergebnisse

Strecke des Runtalya

(c) Norbert Wilhelmi – www.wilhelmi-fotograf.de

 

Carsten Stegner
Carsten Stegner
Als passionierter Läufer berichte ich in diesem Blog von meinem Training, meinen Wettkämpfen und gebe meine Erfahrungen bezüglich dem von mir genutztem Equipment weiter. Mehr zu meiner Person und zum Thema Laufen gibt´s auf www.pure-run.de

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