Ultramarathon Celje-Logarska

Zieleinlauf
Klopeiner Seelauf
15. August 2012
Keep on running – und jetzt erst recht!
9. September 2012
Show all
Im Quintett in den Morgengrauen

Im Quintett in den Morgengrauen

  • 28. Ultramarathon Celje-Logarska
  • 03.09.12 (immer am ersten Samstag im September)
  • 75, 42, 27 und 17 km auf leichten Trails, Forststraßen und überwiegend asphaltierten Straßen
  • von Celje nach Logarska Dolina am Ufer der Savinja

Im Rahmen des Europacups der Ultramarathons nahm ich am ersten Samstag im September am „Celje-Logarska-Marathon“ in Slowenien teil. Nach meinem zweiten Platz beim Rennsteiglauf im Mai, sah ich es als logische Schlussfolgerung, in diese Wertung einzusteigen. Von insgesamt 7 Rennen müssen 3 gefinisht werden. Zum Zeitpunkt des Rennsteiglaufs habe ich bereits die Läufe in Frankreich (Trail du Petit-Ballon) und Tschechien (Mnisek pod Brdy) verpasst, den „Hunderter“ von Biel lief ich auch nicht mit. Dementsprechend soll Slowenien entscheidend sein, ob ich weiterhin eine Wertung im Europacup und somit eine Teilnahme an den verbleibenden zwei Läufen anstrebe oder nicht.

Die 75 Kilometer in Slowenien sind genau nach meinem Geschmack. Sie führen meist am Ufer der Savinja, von der drittgrößten Stadt Sloweniens, Celje, bis in das wunderschöne Alpental Logarska Dolina, in welchem der Fluss entspringt. Gestartet wird auf 211 Meter über dem Meeresspiegel, bis km 50 verläuft die Strecke nahezu flach (440 mNN) und endet schließlich in einer Höhe von 785 Meter. Die letzten 17 Kilometer haben es dann schon „in sich“, denn die stetige Steigung kostet wahrlich die letzten Körner. Hin und wieder müssen kleinere Anstiege überwunden werden, doch die fallen, wenn überhaupt, erst im letzten Drittel ins Gewicht, wenn die Beine langsam schwer werden. Der Bodenbelag ist wechselnd von teils einfachen Trails über Forstwege bis zu asphaltierten Straßen, die den Großteil der Strecke ausmachen. Statt eines Trailschuhs, wie am Rennsteig, entschied ich mich mit dem ASICS DS Racer9, für einen reinen Straßen-Wettkampfschuh und traf damit die absolut richtige Entscheidung.

Nach wochenlanger Hitze, war am Wettkampftag das Wetter auf meiner Seite. Am Vortag regnete es noch, was der Himmel her gab und kühlte auf deutlich unter 20°C ab und auch in der Nacht ließ der Regen kaum nach. Mit Start um 6 Uhr morgens war es nahezu

Start um 6 Uhr in Celje

Start um 6 Uhr in Celje

niederschlagsfrei und im Laufe des Rennens gab es lediglich hin und wieder einen leichten Nieselregen. Leider erwischte es die Läufer(innen) die etwas gemütlicher unterwegs waren, den am Nachmittag öffnete der Himmel wieder seine Schleusen. Die Temperatur lag zwischen 12 und 15°C.

Unser Hotel (Hotel Europa) lag nur knappe 300 Meter vom Start vorm Rathaus in Celje entfernt, sodass ich mich erst kurz nach halb sechs auf dem Weg machte. Auf ein ausgiebiges Aufwärmprogramm kann man bei dieser Streckenlänge und der angestrebten Pace sicher verzichten. Knappe 2 Kilometer um den „restlichen Schlaf“ aus den Beinen zu schütteln genügten mir. Trotz des eher kleinen Starterfelds von ca. 200 Teilnehmern, war eine tolle Stimmung vor dem imposanten Gebäude im Zentrum der Stadt. Im Scheinwerferlicht traten wir nach einigen Begrüßungsworten an die Startlinie. Es war noch Zeit für einen kurzen Plausch mit dem ein oder anderen deutsch sprechenden Teilnehmer aus Deutschland, bzw. Österreich, bevor pünktlich um 6 Uhr der Startschuss erfolgte.

Gemeinsam mit vier Läufern setzte ich mich an die Spitze des Feldes und folgte dem Kopfsteinpflaster ca. 400 Meter bis ans Ufer der Savinja. Zunächst absolvierten wir eine 2-km-Runde am Fluss, boten so also den Zuschaueren gleich ein kleines Highlight. Ich weiß nicht, ob sie registrierten, in welchem Tempo wir die 75 km angingen, ich spürte es aber trotz der Adrenalinausschüttung sofort, dass

Im Quintett in den Morgengrauen

Im Quintett in den Morgengrauen

dies ein flottes Rennen werden könnte. Meine GARMIN Forerunner bestätigte es mir, als nach 1.000 Meter eine Zeit von deutlich unter vier Minuten angezeigt wurden. Ich ließ meine Mittstreiter wissen, dass dies eine verdammt schnelle Pace sei, was sie zwar bestätigten, aber irgendwie auch ignorierten… Noch bevor die kleine Zusatzrunde beendet war, setzte ich mich an die Spitze und bremste die vier „übermotivierten“ Slowenen etwas ein. Als Führender passierte ich meine 3 ½ Supporter, Ehefrau, Mutter, Schwiegermutter und Paul unseren Chihuahua und führte den Tross an Ultraläufern am Ufer der Savinja in den Morgengrauen.

Nach 5 Kilometer wunderte ich mich etwas, warum der Abstand leicht angewachsen ist und fragte mich, wann mal wieder einer der Nachfolgenden das Tempo machen möchte. Auf dem schmalen Weg, teils geschottert, teils Gras, lief ich inzwischen konstant eine 4:15er Pace aber niemand machte Anstalten, das Tempo erhöhen zu wollen. Sogar nach einer weiteren Drosselung des Tempos auf 4:20 – 4:25 min/km wurde der Abstand sogar minimal größer, allerdings war der Weg wegen vieler Wurzeln auch nicht so leicht zu laufen.

Als die Strecke nach 18 Kilometer den Uferweg verließ und durch einen Ort auf asphaltierten Straßen führte, erhöhte ich schließlich meine Pace deutlich auf einen Schnitt um 4 min/km um mich aus dem Sichtfeld der Verfolger zu bringen. Ich dachte zwar dass dies einem Harakiri gleichkäme, so früh den Alleingang anzustreben, doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt. An diesem Tag passte alles! Als ich nach km 27 die Hauptstraße überquerte, wurde ich wie an so vielen Punkten, frenetisch vom einheimischen Publikum und hier auch zum ersten Mal von meinem eigenen kleinen Fanclub angefeuert. Der Organisationschef fuhr ein Stück mit dem Fahrzeug neben mir her und erklärte mir, dass ich bereits einen großen Abstand habe. Nach einem Drittel der Strecke ist das aber nicht über zu bewerten, dachte ich mir. Bei Kilometer 33 reichte mir meine Frau eine neue Flasche Wasser mit Gel, wie ausgemacht, anschließend durchquerte ich das Starterfeld des Marathons. Auch hier kannte der Jubel keine Grenze. Wow, was für eine Motivation! Auch der Blick auf meine 910XT, denn Seit 18 km bin ich jeden Kilometer zw. 3:55 und 4:05 min gelaufen und ich fühlte mich unheimlich locker. Trotz der nun leicht hügeligen Strecke hielt ich genau diese Pace ein. Die Auswertung nach dem Wettkampf überraschte mich selbst. Bis Kilometer 59 absolvierte ich die 1.000 Meter nur 6 Mal langsamer als 4:06, noch öfter lag ich unter 4:00 Minuten.

Im 4er Schnitt alleine gegen die Uhr

Im 4er Schnitt alleine gegen die Uhr

17 Kilometer vor dem Ziel durchquere ich Luce, den Ort in dem der letzte Wettbewerb gestartet wird, auch hier werde ich von der Stimmung regelrecht durch den Ort getragen, doch dann wird es hart. Die Steigung nimmt zu und die Beine werden schwer. Auf die Frage meiner Frau Nicole, ob es mir gut geht, muss ich grinsen. Ob es mir gut geht? Bei Kilometer 62?! Hm, lass mich mal nachdenken…

Mir geht es verdammt gut! Denn ich liege mittlerweile 20 Minuten in Führung, wie ein Journalist Nicole mitteilt. Da kann eigentlich nichts mehr passieren. Eigentlich… den nun fängt meine Leiste an heftig zu schmerzen. Oh Gott, was wenn jetzt noch Krämpfe kommen? So wie der Formel-1-Fahrer in den letzten Runden auf alle Geräusche seines Boliden hört, so achte ich nun auf meinen Körper. Doch das ist nicht gut. Ich versuche mich nur noch in positiven Gedanken zu verlieren. Das kann doch nicht so schwer sein. Meine Uhr zeigt eine Durschnittspace von 4:07 min/km an. Ich blättere in der Ansicht eine Seite nach oben. Hier habe ich den „Virtuell Partner“ auf eine Pace von 4:28 min/km eingestellt, der Pace die in den letzten Jahren im Schnitt zum Sieg gereicht hat. Ich habe über 20 Minuten oder 4,4 km Vorsprung auf den virtuellen, wie auch auf den realen Gegner. WAHNSINN! Noch 10 Kilometer. Diesen Streckenabschnitt bin ich noch vor 2 Wochen in unserem Urlaub oft gelaufen. Ich kenne jede verdammte Kurve, Steigung und Unebenheit, Was sind lächerliche 10 km… Ich freue mich schon auf die Abzweigung in das traumhafte Tal, von dort sind es nur noch drei Kilometer, doch diese Abzweigung will und will nicht kommen. Ich versuche mich zu erinnern, was mich noch alles erwartet, aber so richtig will das nicht mehr funktionieren. Also zähle ich nur noch rückwärts. Alle ca. 4:25 min ist wieder ein Kilometer geschafft. Da kommt die erlösende Abzweigung. Beim Einlaufen in das Logarska Tal nehmen mir Freudentränen fast die Luft zum Atmen. Verrückt, denn das habe ich letzte Nacht in den wenigen Momenten in denen ich Schlafen konnte, geträumt. Nun erfülle ich mir meinen Traum.

Noch 2 km

Noch 2 km

Noch 2 Kilometer, ich sehne mir die Brücke herbei, an welcher der letzte Kilometer markiert ist. Nach Erreichen dieser, kann man schon fast das Ziel sehen. Zielgerade! Auf den letzten 300 Metern feuern mich noch Radfahrer an, die ich auf der Strecke schon oft gesehen habe. Da ist es: das Ziel! Nach 5:15:55 Std. überquere ich die Ziellinie in einer phantastischen Zeit, nach 73 Kilometer im Alleingang. Es ist eine Zeit, die noch nie jemand auf dieser Strecke gelaufen ist – und von der ich selbst nie gedacht hätte, dass sie möglich ist.

Ich werde im Ziel gefeiert, wie ich es noch nie erlebt habe. Die Slowenen feiern mich, als würde ich wie selbstverständlich zu ihnen gehören. Es ist ein so herzlicher Empfang, dass er die Strapazen der letzten 5 ¼ Stunden sofort vergessen lässt. Auch bei der

Siegerehrung

Siegerehrung

Siegerehrung, bei welcher ich reichlich ausgezeichnet und beschenkt werde, ist keinerlei Neid oder Missgunst zu spüren. Im Gegenteil, die zuvor erwähnten Radfahrer kamen extra von ihrer Unterkunft, 3 km bergan, zu der Veranstaltung um für Stimmung zu sorgen. Der Veranstalter und der Verantwortliche des Militärs, welches hier in einer extra Wertung ausgezeichnet wird, führen intensive und überaus freundliche Gespräche mit Nicole und mir. Sie freuen sich über eine weitere Teilnahme von mir – ich mich auch!

Vielen Dank, dem Veranstalter, allen Angehörigen von „Logarski kot“. Fam. Frank Plesnik (Pension Ojstrica) und all den netten Menschen, die wir kennenlernen durften.

Website des Veranstalters

Die Strecke (aufgeszeichnet mit GARMIN Forerunner 910XT)

Carsten Stegner
Carsten Stegner
Als passionierter Läufer berichte ich in diesem Blog von meinem Training, meinen Wettkämpfen und gebe meine Erfahrungen bezüglich dem von mir genutztem Equipment weiter. Mehr zu meiner Person und zum Thema Laufen gibt´s auf www.pure-run.de

3 Comments

  1. patrick sagt:

    Bravo super leistung

  2. Matthias sagt:

    Glückwunsch! Super Bericht!!

  3. John sagt:

    Gratuliere herzlich zu der tollen Leistung; genieße noch lange das nicht endende Glücksgefühl!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.