Start in die Ultramarathon-Saison

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Startaufstellung - Foto: Norbert Wilhelmi www.wilhelmi-fotograf.de

  • 50 km Ultramarathon des RLT Rodgau
  • 26.01.2013
  • flacher Rundkurs über 10 Runden
  • Asphalt und Forstwege
  • Veranstaltung im Rahmen des 50-km-DUV-Cup

Es gibt keine „schnellen Trainingsläufe“ im Rahmen eines Wettkampfes, das müsste mir mittlerweile klar sein. Frei nach den Toten Hosen: „Es geht nie vorüber, dieses Wettkampffieber, das immer dann hochkommt wenn wir zusammen sind…“, packte es mich auch dieses Mal und ich lief – insbesondere in Anbetracht der Verhältnisse – schneller, als ich es mir vorgenommen habe.
Als Einstieg nach meiner Verletzungspause und als Einstieg in das Wettkampfjahr 2013, entschied ich mich bereits vor einigen Wochen, den Rodgauer 50er zu laufen. …als schnellen Trainingslauf, wie oben angemerkt…

Die 50 km des RLT Rodgau sind das erste Aufeinandertreffen der Ultraläufer. Viel Gutes habe ich schon über die Veranstaltung in Hessen gehört, aber noch nie teilgenommen. Dieses Jahr soll aber deutlich ultramarathonlastiger ausgelegt sein – meine logische Konsequenz also, die Teilnahme an diesem Rennen.

Die 14. Auflage des sehr beliebten Laufes sollte in jeglicher Hinsicht als „Ultralauf“ gelten. Gut drei Kilometer der fünf-Kilometer-Runde waren schneebedeckt. Trotz perfekter Vorbereitung des Veranstalters war es natürlich unmöglich, hier einen ordentlichen Laufuntergrund zu schaffen – insbesondere, wenn fast 1000 Teilnehmer über ihre zehn Runden gehen. Welch große Erfahrung die Hessen inzwischen bei der Organisation des Ultramarathons haben, zeigte sich vor, während und nach dem Rennen. Die vielen Fahrzeuge wurden mittels Einweiser schnell auf freie Parkplätze rund um das Veranstaltungsgelände geleitet, die Startnummernausgabe im kleinen Vereinsheim verlief ohne die geringste Verzögerung und die Siegerehrung wurde äußerst pünktlich und kurzweilig durchgeführt. Hier war auch nahezu die gesamte Spitze der DUV vertreten um die Sieger und Platzierten der letztjährigen Cup-Wertung über 50 km und 6 Std. zu ehren.

Während des Rennens wurden nahezu alle Teilnehmer von der engagierten Sprecherin angesprochen und angefeuert, auch auf der Strecke war für ordentliche Stimmung gesorgt und die Verpflegungsstation hatte, soweit ich das beurteilen konnte – und was mir andere Teilnehmer versicherten – alles zu bieten was das Läuferherz begehrt. Persönlich gebe ich mich mit Wasser zufrieden, um dies gemeinsam mit den mitgeführten Gels zu trinken. Leider war aber das Wasser teils gefroren, was in der siebten Runde zu kurzzeitigen Magenkrämpfen führte.

Über Lautsprecher wurden wir kurz vor 10 Uhr an den Start gebeten. Nachdem ich mich bei den kalten Temperaturen nicht so einfach von meinen warmen Klamotten trennen konnte, kam ich relativ kurzfristig in die Startaufstellung. Die Favoriten und

Startaufstellung – Foto: Norbert Wilhelmi www.wilhelmi-fotograf.de

großen Namen der Ultramarathonszene standen selbstverständlich in der ersten Reihe. Michael Sommer, der neunfache Deutsche Meister über 100 km hatte alle Hände voll zu tun, auf die vielen Begrüßungen einzugehen. Um den Favoriten, Oleksandr Holovnytskyy, aus der Ukraine war es dagegen, wegen Verständigungsproblemen, einiges ruhiger. Selbstverständlich war auch Florian Neuschwander aus Trier ganz vorne anzutreffen. Er reiste mit Siegambitionen an und das aus gutem Grund, wenn man seine Ergebnisse recherchiert. Zwar hat er noch keinen vermessenen schnellen 50er auf seinem Konto, doch sein eigentliches Vorhaben, diese Distanz unter 3 Stunden laufen zu wollen ist definitiv alles andere als Fiktion. Seine Siegerzeit von 3:08:47 Std bei diesen harten Bedingungen bestätigt dies auch.

Vom Start weg konnte erst mal Tempo aufgenommen werden. Auf Asphalt ging es zu einer scharfen Rechtskurve nach ca. 500 Meter, weiter, vorbei an der Verpflegungsstelle und nach knapp 2 km in den Wald, in welchem die besagte geschlossene Schneedecke das Laufen Runde für Runde immer schwerer machte. In der ersten Runde war es noch möglich, relativ problemlos, das angestrebte Tempo zu laufen. Meine Pace war, nachdem ich mich vom Tempo des Ukrainers in der Anfangsphase etwas habe verleiten lassen, an der Grenze dessen, was ich mir vorgenommen hatte. Als ich noch in der ersten Runde etwas Tempo herausnahm und Oleksandr laufen ließ, durchlief ich den Start-Ziel-Bereich nach 5 km in 19:16 Min. Während Oleksandr inzwischen zu Florian aufgeschlossen hatte, lief ich auf Platz drei ein relativ einsames Rennen, wenn man das bei den vielen Überrundungen, die schon in Runde zwei begannen, überhaupt sagen kann.  Auf der zweiten Runde war der Schnee schon etwas weicher, aber die Pace war noch relativ leicht zu halten und bis zur Hälfte des Rennens lagen meine Rundenzeiten zw. 19:05 und 19:23 Min.

Carsten Stegner

Schweren Schrittes durch den Schnee – Foto: Norbert Wilhelmi www.wilhelmi-fotograf.de

Ab Runde sieben wurde es schließlich verdammt schwer. Auf dem geräumten Streckenabschnitt konnte ich zwar eine Pace von 3:50 min/km und darunter laufen, aber der weiche Schnee war extrem kräftezehrend. Auch wenn mir von der Ansagerin mitgeteilt wurde, dass ich auf den Ukrainer aufhole, konnte ich nicht mehr Kräfte mobilisieren um mich in direkte Schlagdistanz zu bringen. Viele Läufer motivierten mich zusätzlich. Sie feuerten mich an: „Die vorne schauen viel schlechter aus als du!“, „auf geht´s, den packst du noch!“, „gut schaust aus, hol ihn dir!“. Das war Balsam in meinen Ohren und betäubte die Schmerzen, die sich inzwischen in meinen Oberschenkeln teilweise breit gemacht haben. Auch wenn es ein nicht gerade einfacher Slalomlauf war, den man absolvieren musste, war es doch sehr schön, ständig andere Läufer um sich zu haben.

Auf weniger als zwei Minuten kam ich bis ins Ziel an den sub 2:20-Marathonläufer aus der Ukraine noch ran. Doch Rundenzeiten von 20:46 und 21:09 Min. auf den letzten 10 km zeigen auch, dass einfach nichts mehr ging. Mit dem dritten Platz und meiner Zeit von 3:17:43 Std. bei diesen Bedingungen bin ich in jedem Fall hoch zufrieden!

Es sind aber nicht nur die sportlichen Leistungen und Erfolge, die eine Laufveranstaltung ausmachen. Läufer seien Einzelkämpfer, höre ich oft. Das mag im Wettkampf schon stimmen. Doch das, wie erwähnt, gegenseitige Mut zusprechen, zeugt vom Gegenteil. Auch die Freundschaft, die uns Läufer verbindet, hat nichts mit Einzelkämpfern zu tun. Ich habe mich gefreut, endlich wieder alte Bekannte zu treffen und interessante Menschen kennenzulernen. Viele Gespräche haben mich bereichert und sehr gefreut; so z. B. dass ich so manchen Läufer – ohne es selbst zu wissen – schon oft motiviert habe oder das Gespräch mit einem älteren Herrn, der mich wiederrum motivierte, noch lange dem Laufsport nachzugehen. Mit 75 Jahren läuft er, selbst nach einer Knie-OP, regelmäßig acht Kilometer und bringt sich voller Begeisterung als Helfer bei der Veranstaltung des RLT Rodgau ein. Was wären wir Läufer ohne diese Gemeinschaft?

Website des Veranstalters

Carsten Stegner
Carsten Stegner
Als passionierter Läufer berichte ich in diesem Blog von meinem Training, meinen Wettkämpfen und gebe meine Erfahrungen bezüglich dem von mir genutztem Equipment weiter. Mehr zu meiner Person und zum Thema Laufen gibt´s auf www.pure-run.de

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