2. Lauf im Ultramarathon-Europacup

ASICS Fuji-Elite
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Höhenprofil

  • 13.04.2013
  • „Brdská Stezka“ in Mnísek pod Brdy
  • Ultramarathon über 50 km und 930 HM
  • Forststraßen, Waldwege, Trails, Asphalt

Mníšek pod Brdy, für die deutsche Zunge zunächst schwer auszusprechen, ist eine Kleinstadt, 30 km südlich von Prag. Hier fand am 13. April 2013 der zweite Wertungslauf der Europacupserie im Ultramarathon statt. Auf den ersten Lauf, der im März im Elsass (Trail du Petit Ballon) stattfand, „musste“ ich verzichten, da ich zu diesem Zeitpunkt im Trainingslager auf Mallorca war. Wie viel das Trainingslager gebracht hat, bzw. ob es angeschlagen hat, sollte sich nun hier in Tschechien zeigen.

Bei der Anfahrt nach Mníšek zeigte sich zunächst mal, mit was für Begebenheiten ich es bei den tags darauf folgenden 50 km zu tun haben sollte. Brdy, so nennt sich das Mittelgebirge welches sich von Prag in westliche Richtung bis Pilsen zieht. Die Straßen die mich zu meinem Zielpunkt führten, waren eher wie im Hochgebirge – steil und schmal.

Nachdem ich im Hotel eingecheckt hatte, schaute ich mir, im Rahmen einer kurzen lockeren Laufeinheit, die ersten und letzten zwei Kilometer der Strecke an. Direkt auf einer Hauptstraße, parallel zur Autobahn – es sollte zum Glück der einzige nicht so tolle Streckenabschnitt werden.

Anschließend fuhr ich per Auto noch ein paar wenige Bereiche der Strecke ab, die ich vierrädrig erreichen konnte. Ich war froh, dass ich mir so ein Bild von der Strecke machen konnte. Fragen zum Untergrund, Schuhwahl und Streckenprofil, konnte ich mir somit beantworten. An dem mitgebrachten Fundus an ASICS-Laufwerkzeug fiel meine Wahl somit auf den Fuji-Racer.

Das Rennen:

Am Start auf der Tartanbahn von Mníšek, versammelte sich, wie auch in den letzten Jahren, ein überschaubares Feld an Ultramarathonis. Unter ihnen eine kleine Anzahl großer Namen der Szene – auch das hat hier Tradition. Das Starterfeld bestand überwiegend natürlich aus Tschechen, aber auch Deutsche, Österreicher, Slowaken und eine Delegation aus Slowenien haben sich in die verschlafene Ortschaft in Böhmen „verirrt“.

Nach dem Startschuss wurde ein zunächst sehr ruhiges Tempo angeschlagen. Im Schnitt von 4:25 min/km verließen wir nach einer Einführungsrunde den Sportplatz in Richtung Hauptstraße. „Jeder der wollte“ durfte auf den nächsten Metern das Feld mal anführen, bis der Tschechen-Express in persona Daniel Oralek, dem mehrmaligen Sieger und Streckenrekordhalter und Radek Brunner vom AC Prag ein deutlich höheres Tempo anschlugen. Sofort wurde das Feld auseinandergezogen und nur zu dritt setzten wir uns zügig ab. Nach knapp sechs Kilometern auf der Hauptstraße verließen wir diese und begaben uns in einen astreinen Trail. Große Steine, Matsch, viel Wasser aber vor allem eine ordentliche Steigung über knapp zwei Kilometer verlangten uns zu gleich zu Beginn einiges ab. Der ausgezeichnete Trailläufer Oralek setzte sich sogleich ein wenig von mir und Radek Brunner ab. Bei einem Ultra, insbesondere in einem solchen Gelände, wäre es ein fataler Fehler, auf Biegen und Brechen zu diesem Zeitpunkt „dranzubleiben“. Auf einem kleinen Verschnaufstück, einem leichten Gefälle konnte ich die Lücke zu Daniel wieder schließen. Doch schon beim nächsten Anstieg entfloh er mir wieder. Dieses Spiel wiederholte sich nun einige Male; direkt in meinem Schatten immer Radek. Auf den 50 km gibt es nicht ein einziges flaches Stück, indem man mal sein Tempo finden könnte. Ein ständiges Auf und Ab zehren sehr schnell an der Kraft, wenn man diese nicht entsprechend einteilt.

Höhenprofil des "Brdska Stezka"

Höhenprofil des „Brdska Stezka“

Nach einem langen Gefälle und anschließenden kräftigen Anstieg auf den zweithöchsten Punkt der Strecke, bei km 16, ist uns Daniel bereits eine gute Minute enteilt. Die Verpflegungsstation vor einem starken Gefälle lasse ich aus. Ich führe ein Flasche mit Aktiv3-Isoton sowie Liquid-Gels mit mir. Radek nutzt die Verpflegung und kann danach nicht mehr zu mir aufschließen. Den Zeitabstand zu Daniel kann ich relativ gut halten und das Wichtigste, ich halte ihn immer in Sichtweite. Das scheint ihn zu beunruhigen, denn er dreht sich häufig um.

Bis zum höchsten Punkt der Strecke, bei km 23, konnte er keinen weiteren Vorsprung herauslaufen. Ohne zu viel zu riskieren musste ich auf den nächsten 2 km Gefälle versuchen, den Abstand zu verkürzen. Dies gelang mir! Ich konnte sogar aufschließen und nach reichlicher Überlegung auch direkt an ihm vorbeiziehen. Auf der immer noch leicht abfallenden Asphaltstraße zog ich meinen Schritt lang und setzte mich von Daniel ab.

Kurz vor km 28 trank ich den letzten Schluck aus meiner Flasche. In der hin und wieder zwischen den Wolken durchscheinenden Sonne wurde es relativ warm und ich war froh, mich entschieden zu haben, mich nicht auf die – spärlich ausgestatteten – Verpflegungsstationen zu verlassen. Für die nun folgende Station hatte ich am Morgen eine zweite Flasche abgegeben, der ich nun sehnsüchtig entgegensah. Allerdings wurde die Eigenverpflegung hier noch nicht bereitgestellt. Bis ich den Leuten klar machte, was ich möchte, hatte Daniel bereits wieder aufgeschlossen. Ich konnte meine Flasche schließlich aus dem Auto neben der Station holen und meinen Weg gemeinsam mit Daniel fortsetzen. Auf dem nun welligen, immer leicht ansteigenden Weg, machte mein Mitstreiter ordentlich Druck. Doch ich fühlte mich gut und gut 20 km vor dem Ziel hatte ich nun nicht mehr vor, einen Rückstand in Kauf zu nehmen. Km 31, „noch lächerliche 19 km“, sagte ich mir und forcierte mein Tempo. Selbst bei der Steigung konnte Daniel nun nicht mehr mithalten. Es waren zwar ab jetzt keine starken Steigungen mehr zu bewältigen, aber das ständig wechselnde Profil machten die ohnehin schweren Beine noch müder. Ich motivierte mich selbst, das war nicht schwer, schließlich lag ich bei einem schweren Rennen in Führung. In meinem Geist ging ich nochmal das Streckenprofil ab. Was erwartet mich noch? Ein langes Gefälle, zwei Anstiege, die ich mir gestern bereits mittels Auto angesehen habe und dann das lange Gefälle ins Ziel. Den letzten Kilometer, wenn es auf der Schnellstraße hoch zum Ziel geht blendete ich aus. Leider traten nun Magenprobleme auf, die scheinbar von meinem „provisorischen“ Frühstück herrührten. Einige Male dachte ich an Jan Fitschens letzten Marathon in Berlin. Doch hier standen keine Dixis und ich hatte auch nicht vor, meinen möglichen Sieg in den Büschen zu verlieren 😉

Mittlerweile war ich schon wieder im Startort angekommen. Abschüssig ging es bis zur Landstraße und hier schließlich noch einen schweren Kilometer gegen Wind und Steigung hoch zum Sportplatz.

Gerade noch mit einer Zeit von 3:17 Std überlief ich die Ziellinie als Gesamtsieger. Vier Minuten später folgte Daniel Oralek. Seinen Streckenrekord verpasste ich nur um eine Minute. Was meine Zeit mit einer Pace von 3:57 min/km bei den knapp 1.000 Höhenmetern wert ist, zeigt ein Blick in die ewige Bestenliste der Veranstaltung. Nur Daniel war bisher schneller. Und auch in der Zeit vor 2005, als nur 47 Kilometer gelaufen wurden, konnten nur vier Personen diese Zeit unterbieten – darunter Namen wie Helmut Schießl und Thomas Miksch. Ich befinde mich also in bester Gesellschaft! 😉

Carsten Stegner
Carsten Stegner
Als passionierter Läufer berichte ich in diesem Blog von meinem Training, meinen Wettkämpfen und gebe meine Erfahrungen bezüglich dem von mir genutztem Equipment weiter. Mehr zu meiner Person und zum Thema Laufen gibt´s auf www.pure-run.de

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