41. Rennsteiglauf – Supermarathon

Bayerische Halbmarathon Meisterschaft
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9. Juni 2013
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Carsten Stegner Inselsberg Downhill
  • GutsMuths-Rennsteiglauf
  • 25.05.2013
  • 21,1, 43,5 und 72,7 km + Nordic Walking, Wanderungen, Junior-Cross
  • Entlang des berühmten Wanderweges im Thüringer Wald
  • Asphalt, Forststraßen, Waldweg
  • sehr hügelig

Der GutsMuths-Rennsteiglauf 2013 war für mich ein kleines Jubiläum, denn zum fünften Mal stand ich am Start des „langen Kanten“, der Königsstrecke über 72,7 km von Eisenach nach Schmiedefeld. Während ich in den Jahren 2006 – 2008 im „Läuferfeld mit schwamm“, konnte ich im letzten Jahr als „No-Name“ überraschend den zweiten Gesamtrang erkämpfen.

Seither hat sich einiges geändert und nach einigen weiteren Erfolgen stand ich im Vorfeld der 41. Auflage im Fokus des Geschehens. Hinter dem Seriensieger und Ausnahmetalend Christian Seiler rutschte ich mit in den Favoritenkreis des „größten Crosslaufs Europas“. Was im ersten Moment sehr motivierend klingt, sorgte bei mir jedoch für Magengrummeln. Denn neben vielen weiteren großen Namen der Ultramarathonszene ist es doch vor allem auch die Länge und Schwere der Strecke, die eine Prophezeiung über den Ausgang des Rennens nahezu unmöglich machen.

Glücklicherweise ließ die Nervosität zum Start hin eher etwas nach, so dass ich die großartige Stimmung auf dem Eisenacher Marktplatz doch noch etwas genießen konnte. Vor allem freute ich mich, einige Freunde wieder zu treffen und neue Bekanntschaften zu schließen – running connects!

Das Wetter zeigte sich für uns Läufer von seiner besten Seite. Es sollte – zumindest bis in den Nachmittag – trocken bleiben, auch auf den Höhen des Thüringer Waldes nicht allzu windig werden und mit 4 – 10 °C auch nahezu optimal temperiert sein. Nach dem obligatorischen Rennsteiglied schickte der Eisenacher Bürgermeister pünktlich um sechs Uhr die 2256 Läufer auf die Strecke.

Schon nach dem ersten Anstieg, bei Kilometer drei, fand ich in dem „Kosmopolit“ Matthew Lynas einen optimalen Laufpartner. Der sehr sympathische Brite, der einige Zeit in Erfurt wohnte und nun in Norwegen beheimatet ist, hat eine Menge Ultramarathonerfahrung und war schon sehr erfolgreich auf den langen Strecken unterwegs. Mit ihm war ich mir einig, das Tempo von Christian Seiler keinesfalls mitzugehen und wir ließen diesen nach schon ca. fünf Kilometern ziehen. Der Litauer Grinius Gediminas und der Schweizer Christian Schneider machten sich jedoch auf seine Verfolgung. Das Trio setzte sich zunächst ein wenig ab, doch schon kurz darauf schlossen „Matt“ und ich wieder auf und setzten als Quintett den Weg in einem etwas unruhigem Tempo fort. Kurz nach der ersten Zwischenwertung bei Kilometer 18 zerfiel unsere Gruppe an einem etwas längeren Anstieg und zog sich auseinander. Da ich überzeugt war, dass wir bald wieder zusammenfinden werden, lief ich mein eigenes Tempo die folgenden Anstiege bis zum großen Inselsberg immer in Sichtweite zu Christian. Bis km 30 stellte sich jedoch heraus, dass es wohl auf ein sehr einsames Rennen hinauslaufen würde. Ich überlegte bereits, mein Tempo deutlich zu verlangsamen um mit der kleinen Gruppe hinter mir die noch bevorstehende Marathondistanz gemeinsam zu absolvieren, als ich bemerkte, dass ich wieder auf Christian aufschloss. Auch er wollte nicht alleine laufen – wie er in der Pressekonferenz später mitteilte, aus Angst sich abzuschießen. Der faire Sportsman wartete sogar bei der Verpflegungsstelle zur Halbzeit auf mich, als ich einen kleinen Bogen lief um mich schnell zu versorgen. Wenig später, bei einem giftigen Anstieg kurz vor Vollendung der Marathondistanz ließ er mich dann jedoch stehen. Zu diesem Zeitpunkt spürte ich bereits, dass meine Waden dazu neigten zu verkrampfen. Wie kleine Stromschläge fuhr es in die Muskeln, wenn ich zu viel Druck gab. Das kühle Wetter verleitete mich dazu, im ersten Viertel der Distanz, nicht zu verpflegen – das war ein Fehler!

Carsten Stegner Inselsberg DownhillSo langsam stieg eine gewisse Unsicherheit in mir auf, denn ich wusste nicht wie groß mein Vorsprung zu den Verfolgern war. Den immer größer werdenden Rückstand zu Christian teilte mir dagegen so ziemlich jeder mit, der an der Strecke stand. Relativ flache Stücke konnte ich nach wie vor ganz gut laufen; eine Pace von um 4:00 min/km zeigte mir meine Garmin Forerunner – das passt.

Die einzige Zwischenzeit vom letzten Jahr die ich im Kopf hatte, war die am Grenzadler in Oberhof bei gut 54 km. 3:59 Std. stand 2012 auf der Uhr – 3:58 Std waren es an diesem Tag. Doch während mich im Vorjahr die Euphorie des nicht erwarteten möglichen Podestplatzes über die letzten 19 km trug, hatte ich nun damit zu kämpfen, den von vielen Seiten erwarteten zweiten Platz zu verteidigen – wenngleich ich überglücklich war, diesen in greifbarer Nähe zu haben. Nach dem Aufstieg und langen Gefälle zum Oberhofer Rondell wurde es dann doch recht hart. Obwohl ich mich im Großen und Ganzen ziemlich gut fühlte, setzten nun die angekündigten Wadenkrämpfe ein. Auf den letzten 15 km musste ich immer wieder unfreiwillig stoppen um kurz meine Beine zu dehnen. Die Wanderer die aber nun meist stark applaudierend Spalier standen, gaben mir Kraft und zauberten mir ein Lächeln ins Gesicht. Allerdings gab es – wie alle Jahre – auch die Wanderer, die mitten im Weg stehen blieben oder zu viert nebeneinanderlaufend keinen Grund sahen, einen Läufer vorbei zu lassen. Diese Manöver sorgten gleich wieder für millionenfache Nadelstiche in den Waden.

So hart wie die knapp 73 Rennsteig-Kilometer auch sein mögen, alleine für den Moment, wenn man auf die Zielgerade zum Schmiedefelder Sportplatz biegt, lohnen sich die größten Qualen. Kurz vor der Kuppe bleibe ich nochmals stehen um kurz zu dehnen, und dann kommt dieser grandiose Streckenabschnitt, wenn man, vorbei an den tausenden jubelnden Zuschauern, ins so oft zitierte schönste Ziel der Welt läuft. Würde Reinhard Mey es kennen, er hätte nicht die Freiheit über den Wolken, sondern die letzten 200 Meter des Rennsteiglaufes besungen.

Trotz schwerer Strecke, da sie deutlich matschiger war, ist meine Zielzeit nur 30 Sekunden langsamer als im Vorjahr, gleicher Platz, gleicher Sieger, nahezu gleicher Rückstand, die selbe Freude – ich hab´s geschafft! Im Interview gebe ich spontan von mir: „In der Ära Seiler, darf sich der Zweite als Sieger fühlen“ – das tu ich!

Inmitten von Siegern. li. Marcel Bräutigam (Marathon), re. Christian Seiler (Supermarathon)

Inmitten von Siegern.
li. Marcel Bräutigam (Marathon), re. Christian Seiler (Supermarathon)

Website des Veranstalters

Bericht in Nordbayern.de

Carsten Stegner
Carsten Stegner
Als passionierter Läufer berichte ich in diesem Blog von meinem Training, meinen Wettkämpfen und gebe meine Erfahrungen bezüglich dem von mir genutztem Equipment weiter. Mehr zu meiner Person und zum Thema Laufen gibt´s auf www.pure-run.de

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