Mannschafts-Bronze bei der Ultra-Trail-Weltmeisterschaft

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30. Juni 2013
Salomon Sense Mantra
10. Juli 2013
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  • IAU World Trail Running Championships in Wales
  • 77 km, 2.500 Höhenmeter
  • selektiver Rundkurs (5 Runden) auf Trails, Wald- und Forstwegen

Eines meiner größten sportlichen Highlights erlebte ich 1993 mit der Teilnahme an der Berglauf-Weltmeisterschaft im Berglauf (World Trophy) im südfranzösischen Gap. Dass sich ein solches Erlebnis nach 20 Jahren und einer mehrjährigen Sportpause wiederholen sollte, war wohl unvorhersehbar. Umso größer war meine Freude und Motivation, als ich Anfang des Jahres von der Möglichkeit erfuhr, bei Bestätigung meiner bisherigen Leistungen, als Mitglied der deutschen Ultramarathon-Nationalmannschaft bei der Ultra-Trail-WM teilnehmen zu können. Nach dem Rennsteiglauf erhielt ich die endgültige Nominierung.

Gemeinsam mit dem Marathon-As Florian Neuschwander und dem Ultramarathon-Spezialisten René Strosny komplettierte ich die deutsche Herrenmannschaft. Die Damenmannschaft setzte sich aus Trail-Profi Gitti Schiebel und Deutschlands besten 100-km-Läuferinnen Pamela Veith und Branka Hajek zusammen.

Airport Frankfurt

Airport Frankfurt – Stegner, Neuschwander Strosny

Am Donnerstag, 4. Juli, flogen wir von Frankfurt nach Manchester und schließlich ging es mit Mietwägen in das mondäne Küstenstädtchen Llandudno in Nord-Wales. Der Nachmittag und Abend stand ganz im Zeichen der Regeneration und Kohlenhydrataufnahme, letzteres ist ein Leichtes in Großbritannien und obwohl es viel zu sehen gab, kam die Erholung nicht zu kurz. Zwischen Urlaubern und Einheimischen konnten wir die Athleten mit ihrem Nationaldress leicht erkennen und so stieg die Aufregung und Vorfreude.

Llandudno

Llandudno

Nach einem ordentlichen englischen Frühstück fand am Freitag um 10:30 Uhr die Eröffnungszeremonie der perfekt organisierten Meisterschaft statt. Mit dem Einmarsch der Nationen, kurzweiligen Begrüßungsreden und eine Art Pressekonferenz zwischen eingeladenen Schülern und einigen Athleten wurde die Veranstaltung sehr interessant gestaltet. Im Anschluss fuhren wir zum knapp 30 km entfernten Austragungsort Llanrwst im Snowdonia Nationalpark, um die Strecke zu besichtigen.Nationalpark

Von der 15-km-Runde wollte ich nicht mehr als 4 – 5 km laufen. Gleich zu Beginn waren hierbei auch die längsten Steigungen zu bewältigen. Von den 560 Höhenmetern, die auf jeder der fünf Runden bezwungen werden mussten, hatten wir nach 3 km schon weit über die Hälfte geschafft. Für die restliche Strecke sollte uns am nächsten Tag noch genügend Möglichkeit bleiben, diese kennenzulernen. René ließ es sich nicht nehmen, im gemütlichen Tempo die komplette Runde zu besichtigen. Er bestätigte, was wir aus der Ausschreibung herauslesen konnten. Uns erwartete eine sehr abwechslungsreiche Strecke, sowohl typische Trailläufer, als auch diejenigen, die gerne eine etwas schnellere Strecke haben, sollten voll auf ihre Kosten kommen. Lange Anstiege, anspruchsvolle Wurzelpfade, kurze steile Rampen, Forst- und Waldwege wechselten sich derart häufig ab, dass niemals das Gefühl eines monotonen Streckenabschnitts aufkam.

Zwischenmahlzeit

Zwischenmahlzeit

Relaxen und – wen überrascht es – Nahrungsaufnahme und Wettkampfvorbereitungen wie Verpflegung und Trikot vorbereiten, rundeten den Tag ab.Nationaltrikot

Samstag, 06.07.13, 06:00 Uhr, der Wecker klingelt – umsonst, denn die Aufregung, die aufgegangene Sonne  und vor allem die Möwen beendeten die Nacht schon deutlich vorher. Um acht Uhr standen wir am Ort des Geschehens. Noch einmal wurden die Nationen vorgestellt und marschierten geschlossen zur Startaufstellung. Um neun Uhr erfolgte endlich der Startschuss. Ich laufe bei der Ultra-Trail-WM im Nationaltrikot! Der erste Kilometer führt auf Asphalt zur ersten Runde. Vorne wird gleich ordentlich Gas gegeben, aus diesem Treiben halte ich mich heraus und sortiere mich im gefühlten letzten Drittel des Feldes ein.

Beginn der ersten Runde

Beginn der ersten Runde

In einem angenehmen Tempo von ca. 4:30 min/km absolviere ich die erste Runde. An den steilen Anstiegen laufe ich gleichmäßig und ruhig hoch und auf den abfallenden Passagen lasse ich mich nicht von dem teils hohen Tempo verleiten. Dennoch steht am Ende manches Kilometers eine Zeit von 3:35 – 3:45 min. Das Feld hat sich erstaunlich schnell sortiert. Schon auf der zweiten Runde sehe ich kaum noch einen Teilnehmer und wenn, dann immer nur die gleichen. Der Italiener Silvano Fedel, mein Idol der ersten Transalpine-Runs, musste inzwischen abreisen lassen, ihm ist die Strecke eher zu schnell, meinte er, als wir uns ein wenig unterhielten. Mit seinem Teamkollegen Daniele Fornoni „duelliere“ ich mich auf den nächsten 60 km noch häufiger. Grundsätzlich habe ich mich inzwischen im Feld eingeordnet. Hin und wieder kann ich Teilnehmer überholen, manchmal kommen sie wieder an mir vorbei. So ist das bei einem Ultra-Trail. Jeder hat seinen „Schokoladenabschnitt“, andere Abschnitte liegen einem nicht so oder man hat gerade ein kleines Tief. Trotz langsamer werdender Rundenzeit fühle ich mich aber bis in die dritte Runde relativ gut, obwohl das Wetter alles andere als optimale Bedingungen für mich bietet. 27 °C sind es an diesem Tag, 10 Grad mehr als ich dachte und hoffte. Unsere Betreuer, Jens, Angela und Ralf machten einen super Job. An den vordefinierten Verpflegungsstellen versorgen sie uns, wie generalstabsmäßig zuvor geplant.

KM 61, Verpflegung

KM 61, Verpflegung

Sechs Liter Isoton, 9 Liquid-Gels und zusätzlich Salztabletten nahm ich während des Laufens zu mir. Ich war zwar begeistert wie gut mein Körper die Mengen an Nahrung aufnehmen konnte, dennoch schwitzte ich noch mehr heraus. Krämpfe ab dem letzten Kilometer der dritten Runde waren die Folge. Probleme machten diese jedoch nur auf leicht abfallenden und leicht ansteigenden Passagen. Den steilen Anstieg konnte ich gut bewältigen doch danach wurde meine Pace ziemlich langsam. Trotz exorbitantem Zeitverlust auf den folgenden zwei Runden konnten nur der US Amerikaner Brian Rusiecki und der Finne Tomi Halme an mir vorbei ziehen – Letzterer allerdings auch einen Vorsprung von sieben Minuten bis ins Ziel herauslaufen.

Als ich in der letzten Runde erfuhr, dass wir in der Mannschaft die Möglichkeit auf Bronze haben, versuchte ich noch einmal alles zu mobilisieren. Doch der Körper sträubte sich. Auf die letzte Rundenzeit kamen noch zwei Minuten drauf. Doch mir erging es nicht alleine so. Der Weltmeister von 2011, Erik Clavery aus Frankreich wurden ebenfalls extrem langsam und erreichte gerade mal knappe vier Minuten vor mir das Ziel.

Ich überquerte als Gesamt 18ter die Ziellinie, die sich nach einer gefühlt ewig langen Geraden in der Nähe des Starts befand. Alleine mit der Einzelplatzierung war ich schon hoch zufrieden und glücklich. Ich freute mich riesig über den tollen Erfolg von Florian der es schaffte, in seinem ersten richtigen Ultra-Trailrennen Vizeweltmeister zu werden und somit auch den Grundstock für eine weitere Überraschung legte. Nachdem René als 23. die Ziellinie überquerte, machte er die Bronzemedaille in der Mannschaftwertung für Deutschland, noch vor so großen Trailnationen wie den USA und Italien, sicher.

Überglücklich im Ziel

Überglücklich im Ziel

Bei der feierlichen Abschlusszeremonie wurde dies gebührend gefeiert. Dass so ein Tag seine Spuren hinterlässt zeigt sich, wenn

Siegerehrung Ultra-Trail-WM 2013

Siegerehrung Ultra-Trail-WM 2013

trotz toller Stimmung der Abend noch vor 24 Uhr beendet ist. Aber wir hatten uns alle den Schlaf verdient! Apropos verdient: am nächsten Tag nutzen wir tatsächlich die „Tramffordd Tramway“ um die 1.500 Meter auf den 207 Meter hohen „Berg“ hinter Llandudno zu bewältigen. Lediglich Gitti und Branka waren nicht zu bremsen und hängten uns per pedes ab!

RELAX

RELAX

Nochmals ein herzliches Dankeschön für die großartige Unterstützung sowie für die vielen netten Kommentare und Glückwünsche über die ich mich sehr gefreut habe!!!

Männermannschafts Bronze Medaille

Männermannschafts Bronze Medaille

Carsten Stegner
Carsten Stegner
Als passionierter Läufer berichte ich in diesem Blog von meinem Training, meinen Wettkämpfen und gebe meine Erfahrungen bezüglich dem von mir genutztem Equipment weiter. Mehr zu meiner Person und zum Thema Laufen gibt´s auf www.pure-run.de

2 Comments

  1. Laufhannes sagt:

    Glückwunsch zu dem wirklich hervorragenden Ergebnis und danke für den tollen Bericht! Ihr habt die deutschen Farben in Wales mehr als würdig vertreten!

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