München Marathon – Deutsche Meisterschaft

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"Gemeinsam sind wir stark"

  • abwechslungsreicher Stadtkurs
  • Highlights: viele Sehenswürdigkeiten, Einlauf in Olympiastadion durch das Marathontor
  • insgesamt 5 Laufveranstaltungen (u. a. „Trachtenlauf“, Halbmarathon)
  • „ohne eingeladene Weltspitze“

Zum ersten Mal trat ich zum Marathon in der Landeshauptstadt an. Eigentlich eine Schande, dass ich nicht schon früher durch die Straßenschluchten der bayerischen Metropole gelaufen bin – zumal, nachdem ich nun weiß, welch tolle Stimmung dort vorherrscht.

Der 28. München Marathon hatte einige Besonderheiten zu bieten, denn es fanden in diesem Rahmen die Deutschen Meisterschaften und die Deutschen Polizeimeisterschaften statt. Letztere war schließlich auch der Grund für meine Teilnahme. Zunächst war ich etwas skeptisch, da dieser Wettkampf so rein gar nicht in meine Jahresplanung passte. Deshalb hoffte ich, dass aufgrund der komfortablen Athletenauswahl auf meine Wenigkeit verzichtet werden könnte. Doch dann fielen in der bayerischen Mannschaft Mario Wernsdörfer und kurz darauf auch noch Manuel Stöckert, einer der Titelaspiranten auf den Meistertitel des DLV, verletzungsbedingt aus. Spätestens jetzt war es klar, dass ich eine Verpflichtung hatte, am 13. Oktober an der Startlinie unweit des Olympiageländes zu stehen. Ohne spezifisches Marathontraining und mit dem Ziel vor Augen, zwei Wochen später ein ordentliches Finale in der Europacupserie im Ultramarathon auf der Schwäbischen Alb abzuliefern, war meine Vorgabe, meinen Teil für ein ordentliches Mannschaftsergebnis zu leisten, aber keinesfalls schneller als 2:38 Stunden zu laufen.

Nach einer verregneten Woche lies unser Alois im Himmel seine Beziehung zu Petrus spielen und sorgte somit, zur Freude der fast 8.000 Marathonis, für einen strahlenden Herbstsonntag. Insgesamt nahmen knapp 20.000 Personen an den fünf Laufveranstaltungen rund um den München Marathon teil. Ca. 80.000 Zuschauer säumten die Strecke, die für die Marathonis im Uhrzeigersinn durch die Stadt führte. Der Halbmarathon startete auf der Marathonstrecke in der Weltenburger Straße in Bogenhasen und die 10 km verliefen auf der Marathonstrecke bis zum Wendepunkt in der Ludwigstraße und wieder zurück. Eines der Highlights ist der Einlauf, 400 Meter vor dem Ziel durch das große Marathontor in das weltberühmte Olympiastadion. Auch wenn dort mittlerweile Asphalt, statt einer Tartanbahn, vorzufinden ist, so gab sich der Veranstalter doch große Mühe, indem er für eine grandiose Stimmung mit Musik und gelungener Kommentation sowie einem „Tartanbahn-Flausch-Teppich“ auf den letzen 80 Metern sorgte. Doch bis dahin war noch ein weiter Weg…

Um 10 Uhr wurde durch sechs Böllerschützen der Startschuss in der Ackermannstraße gegeben. Trotz meines eher defensiven

Marathonstart

Marathonstart

Laufvorhabens startete ich aus einer der ersten Reihe – nachdem ein paar Athleten des LAC Fürth mir den Vortritt ließen. Meine Pace von 3:44/3:45 min/km die ich ruhig und gleichmäßig über die komplette Distanz laufen wollte, war zu Beginn des Rennens natürlich deutlich schneller und nachdem ich schon nach ca. 3-4 Kilometer in der Leopoldstraße eine Laufgruppe gefunden habe, der ich mich anschließen konnte, war mein „Vorhaben der Gleichmäßigkeit“ dahin.

Am Siegsetor zu Beginn des Rennens

Am Siegsetor zu Beginn des Rennens

Bis zum Englischen Garten waren wie stets deutlich unter 3:40 min/km unterwegs. Auf den schmalen Straßen durch den Park orientierten wir uns scheinbar eher an der Schönheit der Natur und verlangsamten unser Tempo deutlich. Als mein hessischer Kollege, Lars Siegmund, mit dem ich vor 2 ½ Jahren anlässlich der Polizei-WM den Prag-Marathon lief, am Ende des

"Gemeinsam sind wir stark"

„Gemeinsam sind wir stark“

Englischen Gartens nach dem ersten Drittel der Strecke das Tempo wieder deutlich erhöhte, überlegte ich mir das erste Mal etwas ruhiger mein eigenes Tempo zu laufen. Doch noch nie hatte ich die Möglichkeit in einer solch großen Gruppe einen Marathon zu laufen, also blieb ich dran. Nicht viel später, ca. bei km 18, wurde das Tempo wieder auf 3:30 min/km erhöht. Das war mir dann eindeutig zu schnell für mein Vorhaben und ich lies etwas abreisen. Als ich dann jedoch merkte, dass die vor mir laufende Gruppe sich nicht weiter von mir entfernte, forcierte ich wiederrum das Tempo, schloss auf und zog mit gleichbleibender Geschwindigkeit vorbei. Im Wind zog ich nun die Gruppe über die ewig lange Gerade der Cosimastraße und Weltenburger Straße durch Bogenhausen über die Startlinie des Halbmarathons, welche ich knapp unter 1:18 Std. überschritt. Nun war klar, dass ich hinten raus keines Falls schneller laufen kann und stellte mich schon darauf ein, die Gruppe und auch so einige Marathonis die von hinten kommen, bald laufen zu lassen. Doch im Gegensteil, obwohl wir alle nun ein wenig langsamer wurden holten wir Läufer vor uns ein, blieben aber immer noch eine homogene Phalanx. Erst nach Überquerung des Marienplatzes, auf welchem eine brutal gute Stimmung herrschte und anschließend über den Odeonsplatz in die Ludwigstraße, riss unsere Gruppe ein wenig auf. Auf der „Zusatzrunde“ zwischen km 31 und 36, vorbei an der Universität, durch die Maxvorstadt und über den prachtvollen – aber gepflasterten – Königsplatz, konnte von einer Gruppe nicht mehr die Rede sein. Auf ca. 200 – 300 Meter verteilt liefen wir schließlich wieder in die Ludwigstraße in Richtung Siegestor und traten die letzten 4 Kilometer an. Für mich hieß es nun äußerst vorsichtig zu agieren. Klar wollte ich nicht mehr so viel Zeit liegen lassen, aber auf Gedeih und Verderb nun noch ein paar mögliche Plätze gutzumachen, wäre in Hinblick auf die Schwäbisch Alb sicher das falsche Mittel. Letztendlich war ich froh, keine Informationen zu meiner Platzierung erhalten zu haben, denn wie es sich am Ende herausstellte, wäre sowohl in der Altersklasse der offenen Deutschen Meisterschaft, als auch in der Gesamtwertung der Polizeimeisterschaft die Bronzemedaille drin gewesen. Doch dafür hätte ich am Ende doch ein paar wertvolle Körner liegen lassen müssen.

So genoss ich nach knapp 42 Kilometer diesen besonderen Augenblick durch das Marathontor zu laufen. Die Unterführung wurde

Zieleinlauf

Zieleinlauf

mit Lichteffekten und einer Nebelmaschine eindrucksvoll gestaltet. Nach einer dreiviertel Runde im Stadionoval erreichte ich schließlich nach nahezu exakt meiner eigenen Zeitvorgabe in 2:37:40 Std das Ziel.

Der neue Deutsche Meister erreichte fast 20 Minuten vor mir das Ziel und heißt Frank Schauer vom Sportclub Magdeburg, der in neuer persönlicher Bestzeit von 2:18:54 Std das Ziel erreichte. Vizemeister, und darüber freue ich mich sehr, wurde der sehr sympathische Marcel Bräutigam vom GutsMuths Rennsteiglaufverein in 2:20:49 Std, nur eine Sekunde vor seinem Trainingspartner Christian König (SV Glückauf Sondershausen). Marcel wurde mit seiner ausgezeichneten Zeit natürlich auch Deutscher Polizeimeister.

Die Sieger - Foto: Norbert Wilhelmi

Die Sieger – Foto: Norbert Wilhelmi

Die Damenwertung gewann Silke Optekamp von traditonsreichen PSV grün-weiß Kassel vor der Regensburgerin Julia Galuschka und Sandra Klein aus Wenden.

Ich konnte mit der bayerischen Polizeimannschaft mit Robert Ruff und Thomas Weikert die Bronzemedaille in der Polizeiwertung sichern. Leider stand, ausgerechnet beim „Heimspiel“ die bayerische Mannschaft zum ersten Mal in der Geschichte der Deutschen Polizei-Marathonmeisterschaft nicht ganz oben auf dem Treppchen. Doch das ist alles andere als traurig. Es war eine richtig schöne Veranstaltung und ich bin mir sicher, dass ich weitere Male in München am Start stehen werde.

Carsten Stegner
Carsten Stegner
Als passionierter Läufer berichte ich in diesem Blog von meinem Training, meinen Wettkämpfen und gebe meine Erfahrungen bezüglich dem von mir genutztem Equipment weiter. Mehr zu meiner Person und zum Thema Laufen gibt´s auf www.pure-run.de

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